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„Thieme Teaching Award“ für Studie zur medizinischen Lehre Im Zweifel zuerst Theorie lernen und dann den Notfall üben0

Posted on Mai 8th, 2012 in Allgemein, Gesundheitswesen, Karriere

Stuttgart – Sollen Medizinstudierende gleich den Notfall an einer Puppe üben? Oder ist der Lernerfolg größer, wenn angehende Ärzte zunächst theoretisch unterwiesen werden und sich anschließend am Simulator versuchen? Diese Frage hat jetzt erstmals Dr. med. Georg Breuer systematisch untersucht, Oberarzt für Anästhesiologie am Universitätsklinikum Erlangen. Mit Erfolg: Die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) hat das innovative Forschungsprojekt im Rahmen des Deutschen Anästhesiekongresses (DAC) am vergangenen Sonnabend in Leipzig mit dem „Thieme-Teaching-Award“ ausgezeichnet. Die Thieme Verlagsgruppe, Stuttgart, stiftet die mit 5 000 Euro dotierte Auszeichnung.

Im Jahr 2002 wurde das Medizinstudium reformiert mit dem Ziel, Ärzte stärker praxisbezogen auszubilden. Seither arbeiten Nachwuchsärzte in vielen Bereichen, vor allem in der Notfallmedizin, mit Patientensimulatoren. Die Studierenden üben dabei die Wiederbelebung etwa nach einem Herzinfarkt an Puppen. Bislang ungeklärt ist, ob es sinnvoller ist, sie zunächst theoretisch zu unterweisen oder ob sie am Patientensimulator „den Sprung ins kalte Wasser“ wagen sollten, um aus ihren Fehlern zu lernen. „Bisher regeln alle Universitäten dies unterschiedlich“, berichtet Georg Breuer.

 

In seiner Pilotstudie eines mehrstufig angelegten Forschungsprojekts hat der Anästhesiologe aus Erlangen daher an 20 Probanden untersucht, welcher Ablauf das Handlungswissen begünstigt. Dabei verteilte er die Studierenden im Alter zwischen 21 und 42 Jahren nach dem Zufallsprinzip auf zwei Lerngruppen. Beide Gruppen versorgten am Simulator verschiedene Notfälle – einen anaphylaktischen Schock und einen Herzinfarkt. Die Theorie lernten sie entweder vorher oder nachher mit einem Standard-Vortrag.

 

Alle Probanden erhielten vorab einen Fragebogen, der Persönlichkeitseigenschaften, Arbeitsstil, medizinisches Vorwissen, aktuelle Stimmung und persönliche Angaben erfragte. Abschließend füllten die Teilnehmer einen zweiten Fragebogen aus, mit dem berufliches Fähigkeitsselbstkonzept, Selbstwirksamkeitserwartung, Umgang mit Medien sowie Stimmung untersucht wurden. Alle Teilnehmer mussten zudem einen Wissenstest absolvieren und ein Interview zum Stresserleben am Simulator führen.

Ergebnis der Studie „Der Sprung ins kalte Wasser: Eine qualitative und quantitative Untersuchung zu simulatorbasiertem Lernen im Bereich Notfallmedizin“: Für den Wissenserwerb spielte keine ausschlaggebende Rolle, ob zunächst Theorie oder Simulation gelehrt wurde. „Allerdings zeigte sich eine leichte Überlegenheit für die Reihenfolge Theorie-Simulation“, resümiert Dr. Breuer. „Das unvorbereitete Simulator-Training ist nicht für jeden Studierenden von Vorteil. Extrovertierte Persönlichkeiten profitieren davon, andere Studierende reagieren ängstlich und gereizt.“ Die Untersuchung soll demnächst veröffentlicht werden.

Um den „Thieme Teaching Award“ bewerben sich Mitglieder der DGAI mit Arbeiten auf dem Gebiet der Lehre, Fort- und Weiterbildung in Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerzmedizin. Die Thieme Verlagsgruppe stiftet den Preis in diesem Jahr zum neunten Mal.

 

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